Sylt ist jährlich für hunderttausende das Reiseziel schlechthin. Zwar bringen die Touristen viel Geld auf die Insel, doch gleichzeitig verknappen sie den ohnehin schon geringen Wohnraum immer weiter. Denn statt ins Hotel gehen viele von ihnen in Ferienwohnungen – die somit im Umkehrschluss für normale Sylter nicht mehr als Wohnraum zur Verfügung stehen.
Eigentlich wollte die Gemeinde dagegen vorgehen, hat im März 2023 sogar ein Konzept beschlossen, mit dem mehr Dauerwohnungen geschaffen werden sollten. Doch jetzt tauchen unangenehme Fragen auf.
Sylter sind sauer
Seit 2022 beschäftigte sich die Gemeinde Sylt mit einem Beherbergungskonzept, in dessen Mittelpunkt das Ziel stand, keine weiteren Ferienwohnungen mehr zu erlauben. Denn wie auch in vielen Großstädten herrscht auf der Nordseeinsel massiver Wohnungsmangel. Mit dem Beschluss des Konzepts im März 2023 wollte man dem nun endgültig den Gar ausmachen.
Doch nun, knapp 1,5 Jahre später, wirkt es, als läge der Gemeinde eigentlich doch gar nicht so viel an der Rettung des Wohnraums. Den Eindruck hat Susanne Matthiessen vom Bürgerbündnis „Merret reicht’s“. Denn 2023 ist neben diesem Beschluss ein noch viel älterer in Kraft getreten: der Bebauungsplan 137 für die nördliche Innenstadt. Demnach ist allein in einem Gebiet rund um die Bohmhoffstraße 15-17 nun doch die Vermietung von 17 Wohnungen als Ferienunterkunft möglich. Das berichtet der NDR. Per Antrag kann man eine Dauerwohnung hier ganz schnell zu einer Ferienwohnung machen.
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Sylt: Gemeinde macht Standpunkt klar
Dieses Konzept wurde bereits 2018 angestoßen, erklärt die Gemeinde auf Anfrage. In Kraft getreten ist es aber erst im Juni vergangenen Jahres. „Zulässig sind unter anderem Dauerwohnungen und Ferienwohnungen, wobei mindestens 20 Prozent der Geschossfläche für Dauerwohnungen vorzusehen sind.“
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Susanne Matthiessen macht das sauer. Die Frau, die sich in dem Bürgerbündnis engagiert, erklärt: „Hier wurde ganz bewusst Ferienvermietung nachträglich legalisiert“ – und das, obwohl durch den Beschluss der Gemeinde von Anfang 2023 eigentlich ein Ende der Vermietung in Sicht war. Doch das will die Gemeinde anders sein. „Ein Verbot neuer Ferienwohnungen hat es zu keinem Zeitpunkt gegeben“, heißt es in einem Statement.
Für Sylter geht der Mietenwahnsinn also erstmal weiter. Die geplante Verbesserung bleibt aus.